Kreisverband Müllheim ist einer von acht neuen KI-Lernorten bundesweit – Digitallotsen bereiten erste Angebote vor
Als der DRK-Kreisverband Müllheim im Jahr 2008 damit begann, ältere Menschen beim Umgang mit Computer, Internet und digitalen Anwendungen zu unterstützen, waren Smartphones noch längst keine selbstverständlichen Alltagsbegleiter. Inzwischen gehören Smartphone und Tablet, Messenger, Online-Termine oder digitale Fahrpläne für viele zum täglichen Leben. Und schon steht mit Künstlicher Intelligenz die nächste technologische Entwicklung vor der Tür. Mit dem Projekt „KILeo+ – KI-Lernorte für und mit älteren Menschen“ greift die Offene Seniorenarbeit des DRK-Kreisverbandes Müllheim diese Entwicklung nun auf. Der DRK-Kreisverband wurde in diesem Jahr unter zahlreichen Bewerbungen als einer von acht neuen KI-Lernorten bundesweit ausgewählt. KILeo+ ist ein Projekt der BAGSO – Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen. Ziel ist es, älteren Menschen einen niedrigschwelligen Zugang zu Künstlicher Intelligenz zu ermöglichen: in vertrauter Umgebung, mit Zeit für Fragen und vor allem mit der Möglichkeit, Anwendungen selbst auszuprobieren. Damit knüpft KILeo+ unmittelbar an die langjährige Arbeit des Kreisverbandes zur digitalen Teilhabe älterer Menschen an. Seit 2008 wurden die Angebote kontinuierlich weiterentwickelt. Heute unterstützen ehrenamtliche Digitallotsinnen und Digitallotsen ältere Menschen in Digital-Sprechstunden und offenen Digital-Cafés bei ganz unterschiedlichen Fragen rund um Smartphone, Tablet und digitale Anwendungen. An vier digitalen Treffpunkten im südlichen Markgräflerland sind inzwischen rund 25 bis 30 ehrenamtliche Digitallotsinnen und Digitallotsen aktiv. Mit dem Projektstart hat in den vergangenen Wochen zunächst die Qualifizierung der Ehrenamtlichen begonnen. Rund zwölf Digitallotsinnen und Digitallotsen aus dem Kreisverband Müllheim nahmen an einer mehrteiligen Webinar-Reihe der BAGSO teil. Dabei ging es nicht nur darum, was Künstliche Intelligenz technisch eigentlich ist. Auf dem Programm standen auch konkrete Anwendungen im Alltag, Fragen zu Datenschutz und Sicherheit sowie die Vermittlung von KI-Wissen an ältere Menschen. Nun geht es darum, das Gelernte vor Ort praktisch umzusetzen. Dafür erhält der Kreisverband im Rahmen von KILeo+ verschiedene Geräte und KI-basierte Anwendungen zum Ausprobieren. Die Ausstattung reicht von Smartphone und Tablet über Smartwatch und smartes Blutdruckmessgerät bis zu Sprachassistenten und weiteren Assistenzsystemen. Auch generative KI-Anwendungen, mit denen beispielsweise Texte oder Bilder erstellt und bearbeitet werden können, sollen praktisch erprobt werden. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, möglichst viel neue Technik zu präsentieren. Im Mittelpunkt stehen vielmehr ganz praktische Fragen: Wo kann KI im Alltag tatsächlich hilfreich sein? Wo liegen ihre Grenzen? Wie zuverlässig sind die Antworten eines Chatbots? Welche persönlichen Daten sollte man besser nicht eingeben? Und wie lassen sich manipulierte Bilder oder falsche Informationen erkennen? Diese Haltung soll auch die künftigen KI-Angebote der Offenen Seniorenarbeit prägen. Künstliche Intelligenz soll schrittweise in die bestehenden Digital-Sprechstunden und Digital-Cafés einfließen. Hinzu kommen eigene Veranstaltungen und niedrigschwellige Formate.
Den öffentlichen Auftakt bildet am Mittwoch, 18. November, von 10 bis 12 Uhr die Veranstaltung „Smarte Häppchen zum Frühstück – KI im Alltag“ im Rotkreuzhaus Müllheim. Der Titel ist dabei durchaus wörtlich gemeint: Bei Kaffee sowie süßen und herzhaften Frühstückshäppchen können ältere Menschen unterschiedliche KI-Anwendungen kennenlernen, ausprobieren und miteinander ins Gespräch kommen. Drei kurze Impulse geben einen verständlichen Einstieg: Was ist eigentlich KI und wo begegnet sie uns schon heute? Wie kann generative KI bei ganz alltäglichen Aufgaben helfen? Und worauf sollte man beim Umgang mit KI, persönlichen Daten, falschen Antworten und manipulierten Inhalten achten? Daneben entsteht ein „Markt der Möglichkeiten“. Dort können die Besucherinnen und Besucher gemeinsam mit den Digitallotsinnen und Digitallotsen verschiedene Geräte und Anwendungen ausprobieren. Das Spektrum reicht von Gesundheits- und Assistenztechnik über Sprachassistenten bis zu ChatGPT und anderen Anwendungen zur Text- und Bilderzeugung.
Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist erwünscht. Anmeldungen sind über die DRK-Servicezentrale unter 07631/1805-0, bei der Offenen Seniorenarbeit unter 0151/15027067 oder per E-Mail an seniorenarbeit(at)drk-muellheim(dot)de möglich.
Gerade im ländlich geprägten Markgräflerland sieht der DRK-Kreisverband in solchen niedrigschwelligen Angeboten eine wichtige Aufgabe. KILeo+ richtet sich insbesondere auch an Menschen, die von klassischen digitalen Bildungsangeboten bislang weniger erreicht werden. Dazu zählen ältere Menschen in ländlichen Regionen ebenso wie ältere Frauen und Menschen mit Migrationsgeschichte. Das entspricht dem inklusiven Ansatz des bundesweiten Projekts, das gezielt Bevölkerungsgruppen erreichen möchte, die bislang seltener Zugang zu digitalen Bildungsangeboten hatten. Ältere Menschen sollen die rasante Entwicklung Künstlicher Intelligenz dabei nicht lediglich beobachten, sondern Gelegenheit bekommen, sich eine eigene Meinung zu bilden und neue Technik selbstbestimmt zu nutzen. Die acht neuen KI-Lernorte werden zugleich in das bereits bestehende Kompetenznetzwerk KI & Alter eingebunden, in dem bundesweit knapp 60 KI-Erfahrungsorte miteinander vernetzt sind.
Für den DRK-Kreisverband Müllheim ist KILeo+ damit weniger der Beginn eines völlig neuen Arbeitsfeldes als die konsequente Weiterentwicklung eines Weges, der bereits 2008 begonnen hat: digitale Entwicklungen aufzugreifen, sie verständlich zu machen und ältere Menschen dabei zu unterstützen, selbst zu entscheiden, welche Technik für ihren eigenen Alltag hilfreich ist. Das Projekt „KILeo+ – KI-Lernorte für und mit älteren Menschen“ wird von der BAGSO – Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen umgesetzt und durch die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) gefördert.
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Gut aufgestellt für die digitale Teilhabe: Rund 20 ehrenamtliche Digitallotsinnen und Digitallotsen kamen am 12. Oktober im Rotkreuzhaus Müllheim zum gemeinsamen Treffen zusammen. Mit dem neuen Projekt KILeo+ rückt neben den bewährten Hilfen rund um Smartphone, Tablet und Internet künftig auch Künstliche Intelligenz stärker in den Mittelpunkt der Digitalangebote des DRK-Kreisverbandes Müllheim. Foto: DRK-KV Müllheim

